Besuch des Markts des guten Geschmacks

Am Samstag, dem 13.04.2013 besuchten Jenny und Sarah von „We love food” den „Markts des guten Geschmacks – die Slow Food Messe“ in Stuttgart. Hier standen vier Tage lang die Themen Nachhaltigkeit, Regionalität, Wertschätzung, sowie das Genießen von Lebensmittel im Fokus. 433 Stände auf 1,5 Hallen verteilt, boten ihre Waren an. Zu finden waren hier unter anderem Marmelade, Fisch, Bier, Linsen, Kräuter und Öle und Schokolade. Das Besondere der Aussteller lag darin, dass die Produkte bestimmten Zulassungskriterien entsprechen mussten. Keine Verdickungsmittel in Fisch- und Molkereiprodukten; Wurst musste auf chemisch hergestellte Zuckerstoffe gänzlich verzichten. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit neue Projekte, wie z. B. das Slow Mobil Karlsruhe kennen zu lernen oder sich im Rahmen der Forumsbühne über aktuelle Themen wie Lebensmittelverschwendung, Gentechnik und städtische Gemeinschaftsgärten zu informieren und mit zu diskutieren.

Das Slow Food Mobil bringt Wissen rund um Lebensmittel in die Schulen

An den Ständen gab es viele regionale Produkte

Wir waren im Rahmen des dritten kulinarische Blogger-Treffens eingeladen, das ebenfalls auf der Messe stattfand. Das war eine super Möglichkeit andere Blogger kennenzulernen, die sich mit spannenden Themen rund um Lebensmittel auseinandersetzen. Es herrschte aber auch jede Menge Trubel, Hektik und Konsum.

Neben all den hochwertigen und qualitativen Produkten, hätten wir uns über mehr Aufklärung zum Themen Wertschätzung sowie über Tipps für einen bewussten Umgang mit Lebensmittel gewünscht. Vielleicht gibt es das ja schon im nächsten Jahr…

Von wegen umweltfreundliche Agrarreform

Die EU-Landwirtschaftsminister haben in Brüssel über ihre Position zur zukünftigen EU Agrarpolitik entschieden. Die Ergebnisse der Verhandlungen vom 14. März hat viele Öko-Bauern enttäuscht.  Agrarkommisar Dacian Cioloș hatte am 12. Oktober 2011 einen Reformvorschlag zum “Greening” der EU Landwirtschaft eingereicht. Der Vorschlag sah vor, dass die Agrarsubventionen in Zukunft nur noch an Betriebe gezahlt werden, die sieben Prozent ihrer Fläche im Sinne der Natur nutzen. Diese “ökologischen Vorrangflächen” werden aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und die Natur wird sich selbst überlassen. Das fördert den Schutz von Wasser, Boden, Artenvielfalt und Klima.

Erstaunlich ist, dass die großen deutschen Nachrichtenseiten die Verhandlungen der EU als umweltfreundliche Agrarreform feiern (Spiegel, Süddeutsche). Lediglich die Welt titelt “Wie das EU-Parlament aus der Agrarreform ein Reförmchen machte”.

Denn die Position der EU Parlamentarier sieht vor, dass lediglich 30 Prozent der EU-Subventionen für Greening-Massnahmen vergeben werden. Die restlichen 70 Prozent sind weiterhin nicht an Umweltschutzkriterien gebunden. Statt der geforderten sieben Prozent ökologischer Vorrangfläche, einigten sich die Parlamentarier letztendlich auf drei Prozent (fünf Prozent bis 2016). Und das obwohl deutsche Betriebe schon jetzt zu 2,1 bis 3,5% aus ökologischen Vorrangflächen bestehen (taz). Zudem dürfen diese Flächen auch noch genutzt werden, müssen nur in Zukunft ökologischer bewirtschaftet werden. Eine umweltfreundliche Agrarreform sieht wohl anders aus.

Die endgültige Verhandlung über die Reform findet Ende Juni im Europäischen Parlament statt. Hier haben wir euch noch die wichtigsten Informationen zur EU Agrarpolitik zusammengetragen:

Ferkel an Zitzen einer SauWelche Landwirtschaft wird von der EU gefördert?

Die EU subventioniert die europäische Landwirtschaft dieses Jahr mit etwa 60 Milliarden Euro (Spiegel). Das sind knapp 40% des gesamten EU-Haushalts. 110 Euro zahlt der Verbraucher im Schnitt für diese Politik und hat auch klare Vorstellungen von der Verwendung der Gelder. Eine Umfrage der Naturschutzorganisation WWF hat ergeben, dass sich 78% der Europäer wünschen, dass Subventionen an nachhaltige Landwirtschaft gekoppelt sind. Nur 16% glauben, dass eine Verteilung nach Anbaufläche sinnvoll ist (WWF).

Doch in der Realität geschieht genau das! Umweltfreundliche Landwirtschaftsbetriebe sind meist kleiner und weniger effizient. Momentan bekommen sie nicht mehr Zuschüsse dafür, dass sie besonders schonend mit ihren Ressourcen umgehen. Im Gegenteil: die Subventionen sind bisher nicht an Ziele geknüpft, sonder besonders an Fläche. Große Höfe, die in Masse produzieren haben dadurch Vorteile. Je größer der Betrieb, desto mehr Subventionen gibt es. Momentan erhalten 20% der Betriebe ganze 80% der Gelder (Welt).

Eine Auflistung des BUND zeigt, welche Konzerne besonders von den Subventionen profitieren. Südzucker, Tönnies-Fleisch, Ferrero… Es wird klar, dass Förderung von gesunden Lebensmitteln offenbar keine Rolle spielt.

Warum gibt es die EU Subventionen?

Dass die Europäische Union landwirtschaftliche Nahrungsproduktion subventioniert, hat seinen geschichtlichen Ursprung nach dem zweiten Weltkrieg. 1957 verabschiedete die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Vorlaufer der EU) den Vertrag zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Dessen Hauptziel war es die europäische Landwirtschaft nach 1945  wieder aufzubauen. Während und nach dem zweiten Weltkrieg konnten viele Menschen in Europa nicht zu bezahlbaren Preisen mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Da in Europa sehr viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum leben, sind die Anbauflächen knapp. Verglichen mit großen Flächenländern mit weniger Einwohnern, wie beispielsweise Australien, war der europäische Agrarsektor nicht konkurrenzfähig und die Subventionen sollten hier Abhilfe schaffen (EU Koordination).

Neue Herausforderungen

Im Jahr 2013 ist Lebensmittelknappheit in der EU kein Problem mehr. Im Gegenteil, die Hälfte aller produzierten Nahrungsmittel landet auf dem Müll. Die Subventionen verzehren außerdem den Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Die Existenz von Landwirten in Entwicklungsländern wie beispielsweise Afrika sind gefährdet, da sie nicht mit den aus der EU importierten Nahrungsmitteln konkurrieren können (Tagesschau).

Ein neues Konzept muss her – Mehr Klasse statt Masse in der Lebensmittelproduktion! Um noch eine Daseinsberechtigung zu haben, sollten die EU Agrarsubventionen an umweltfreundliche Ziele geknüpft sein. Und zwar so wie sie sich der Verbraucher wünscht: Für eine umweltfreundliche Erzeugung gesunder Nahrungsmittel!