Lebensmittel teilen statt wegwerfen

Valentin Thurn drehte nicht nur den aufrüttelnden Dokumentarfilm Taste the Waste. Um selbst einen Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu leisten, gründete er die Internetplattform Foodsharing.

Das Prinzip ist einfach: fährt man zum Beispiel für längere Zeit in Urlaub und hat noch einen vollen Kühlschrank, kann man seine Lebensmittel auf Foodsharing anbieten. Jeder kann sogenannte Essenskörbe packen und diese in seiner Umgebung kostenlos zur Verfügung stellen. Andere Nutzer der Plattform sehen die Essenskörbe in ihrer Nähe und können bei Interesse einen Korb anfragen und einen Abholtermin vereinbaren. Nicht nur Privatpersonen können so überschüssige Lebensmittel weitergeben, sondern auch Händler und Produzenten.

In diesem Video wird kurz erklärt, wie Foodsharing funktioniert:

Einige Regeln gibt es bei Foodsharing auch. Natürlich sollten keine verdorbenen Produkte weitergegeben werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum kann aber durchaus überschritten sein. Die Anbieter sowie die Abnehmer von Essenskörben sollten aber in jedem Fall überprüfen, ob die Nahrung noch genießbar ist. Die einfache Regel lautet: „Lege keine Lebensmittel in Essenskörbe, die du selbst nicht mehr verzehren würdest.“ Aufgrund des bestehenden Gesundheitsrisikos dürfen manche Lebensmittel nicht weitergegeben werden, zum Beispiel wenn das Verbrauchsdatum abgelaufen ist oder Speisen, die rohe Eier enthalten.

Finanziert wurde Foodsharing durch Crowdfunding, das heißt viele einzelne Unterstützer haben das Portal mit ihren Spenden finanziert. So kamen sogar mehr als die veranschlagten 10.000 Euro zusammen

Karte von Lebensmittelkörben in Tübingen und Umgebung
In Tübingen werden zur Zeit leider keine Lebensmittelkörbe angeboten

Foodsharing funktioniert derzeit aber eher in größeren Städten wie Köln oder Berlin, wo es viele aktive Foodsharer gibt. In Berlin gibt es sogar einen Umsonst-Laden in der Markthalle in Kreuzberg. Hier kann man nicht benötigte Lebensmittel ablegen. Andere können sich dann einfach mitnehmen, was sie gebrauchen können. In kleineren Städten wie z.B. hier im sonst so grünen Tübingen findet man selbst in der Umgebung selten mal einen Essenskorb.  Da die Internet Plattform aber erst seit Dezember 2012 online ist, gilt es wohl abzuwarten, selbst Lebensmittelkörbe einzustellen und zu hoffen, dass andere dem eigenen Beispiel folgen. Immerhin, innerhalb der ersten zwei Wochen konnte Foodsharing schon 2.800 Foodsharer verbuchen und 250 Kilogramm Lebensmittel vor der Mülltonne retten.

Übrigens, wenn ihr euch hier für den Newsletter registriert, könnt ihr das Kochbuch zum Film Taste the Waste gewinnen.

Warum wir noch eine Reportage über Lebensmittelverschwendung machen

In den letzten Jahren erfährt das Thema Lebensmittelverschwendung große mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. In Deutschland hat besonders Valentin Thurn die Debatte mit seinem enthüllenden Dokumentarfilm „Taste the Waste“ (2011) angestoßen. Durch Aufnahmen auf vier verschiedenen Kontinenten dokumentiert Thurn globale Zusammenhänge. Der Zuschauer erfährt, welche Konsequenzen die Globalisierung der Lebensmittelindustrie hat.

Inspiriert von Thurns „Taste the Waste“ haben auch wir uns verstärkt mit der Verschwendung von Lebensmitteln beschäftigt. Wichtig erschien es uns von Anfang an positiv mit der Thematik umzugehen, welchen Bezug Menschen zu Lebensmitteln haben. So steht bei unserem Film „We love food“, an dem wir gerade arbeiten, weniger die Lebensmittelverschwendung z.B. von Supermärkten im Vordergrund. Uns ist es wichtiger unterschiedliche Ansätze und Alternativen im Umgang mit Lebensmitteln aufzuzeigen.

Unser Ziel ist es deshalb bei unserer Reportage vor allem auf einer persönlichen Ebene zu bleiben. Neben Menschen aus unserem Umfeld werden auch Institutionen (Tübinger Tafel, das Gemüse-Abo Weiss und das Fraunhofer Institut) gezeigt und zu ihrer Wertschätzung und ihrem Umgang mit Lebensmitteln befragt. Im Fokus steht dabei der persönliche Umgang mit Essen – ohne diesen zu bewerten. Der Kerngedanke unserer Reportage lautet dabei stets „Schätze dein Essen und mach dir Gedanken!“. Die Begriffe Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Bewusstsein stehen dabei im Vordergrund.